Die 100 entscheidenden Köpfe der Raumfahrt-Szene – Verbände
Februar 19, 2026Unser 1. Vorsitzender Peter Gülzow DB2OS gehört zu den „Top 100 of the Table 2025/26“: Die 100 entscheidenden Köpfe der Raumfahrt-Szene, den zehn einflussreichsten Führungskräften in der Kategorie Verbände, die von der Redaktion von Space.Table ausgewählt wurden. Insgesamt gibt es zehn Kategorien, von Politik, Unternehmen, Beratung, Verbänden, Thinktanks bis Stiftungen, Wissenschaft, NGOs und Gesellschaft.
Peter‘s Kommentar dazu:
Über die Aufnahme in die „Top 100 of the Table“ des Space.Table Professional Briefing freue ich mich sehr.
Die Weltraum-Redaktion von table.media hat mich in der Kategorie Verbände als einen der zehn prägenden Köpfe ausgezeichnet. Diese Anerkennung verstehe ich jedoch nicht nur als persönliche Auszeichnung, sondern vor allem als Würdigung einer außergewöhnlichen Community: AMSAT!
Seit mehr als 50 Jahren entwickelt, baut und betreibt die weltweite AMSAT-Gemeinschaft Kleinsatelliten – getragen von ehrenamtlichem Engagement, Raumfahrtbegeisterung, Herzblut, technischer Exzellenz und einer klaren Vision.
Wäre AMSAT eine „Weltraumnation“, lägen wir mit über 130 gestarteten Amateurfunk-Satelliten weltweit etwa auf Rang 10. Für eine von Freiwilligen getragene Nichtregierungsorganisation ist das ein bemerkenswertes Ergebnis.
Zu diesem „virtuellen Raumfahrtprogramm“ zählen:
- die OSCAR-Satelliten (Orbiting Satellite Carrying Amateur Radio),
- Beiträge von Schwesterorganisationen wie AMSAT-US, AMSAT-UK, AMSAT-F, AMSAT-IT, AMSAT-India, AMSAT-EA und weiteren,
- zahlreiche Kleinsatelliten, CubeSats und PocketQubes,
- Universitätsmissionen mit Amateurfunk-Nutzlasten auf koordinierten Amateurfunkfrequenzen und unter Einbeziehung der Funkamateure als ein Netzwerk von Bodenstationen.
Historisch betrachtet wäre AMSAT sogar noch weiter vorne:
Mit OSCAR-1 (12. Dezember 1961) – nur vier Jahre nach Sputnik – stünde AMSAT an dritter Stelle der weltweit ersten Raumfahrtnationen bei ersten Satellitenstarts überhaupt, direkt nach dem ersten US-Satelliten Explorer-1 im Januar 1958.Doch entscheidend ist nicht allein die Zahl der Satelliten. Entscheidend ist die Wirkung.
Ohne das Engagement tausender ehrenamtlicher, raumfahrtbegeisterter Funkamateure gäbe es:
- viele heutige Raumfahrtexperten nicht,
- zahlreiche CubeSat-Initiativen nicht,
- und manche New-Space-Gründung vermutlich ebenfalls nicht.
AMSAT war und ist ein Inkubator für Technologie, Ausbildung und auch unternehmerisches Denken im Raumfahrtsektor. Generationen von Funkamateuren, Studierenden, Ingenieuren und Gründern wurden durch diese Plattform geprägt.
Gerade vor dem Hintergrund wachsender kommerzieller Megakonstellationen und zunehmender regulatorischer Verdichtung stellt sich jedoch eine zentrale Frage:
Welche Rolle spielt der nicht-kommerzielle, experimentelle Satellitenfunk künftig im Orbitsystem?
Amateurfunk über Satelliten ist kein nostalgisches Relikt. Er ist:
- ein niedrigschwelliger Zugang zur Raumfahrt für den Nachwuchs,
- ein experimentelles Testfeld für neue Technologien,
- ein internationales Kooperationsmodell jenseits geopolitischer Spannungen,
- und ein Baustein technologischer Souveränität – auch in Europa.
Dafür braucht es verlässlichen Frequenzschutz, regulatorische Planungssicherheit und einen politischen Rahmen, der ehrenamtliche Innovationsstrukturen nicht verdrängt, sondern als Teil des Raumfahrtökosystems anerkennt.
Raumfahrt entsteht nicht allein in staatlichen Programmen oder kommerziellen Konstellationen. Sie entsteht auch dort, wo technologische Leidenschaft, internationale Zusammenarbeit und langfristige Vision zusammenkommen.
Mein herzlicher Dank gilt dem gesamten Team der AMSAT-Deutschland e.V., meinen Vorstandskollegen sowie der internationalen AMSAT-Gemeinschaft. Ohne dieses kollektive Engagement wäre all das nicht möglich.
Ich freue mich auf den Austausch mit Akteuren aus Industrie, Politik und der Amateurfunk-Community.
Denn nachhaltige Raumfahrt braucht nicht nur Kapital und Infrastruktur –
sie braucht auch offene Frequenzen, Experimentierfreiheit und engagierte Menschen.

