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Die diesjährige Jahreshauptversammlung der AMSAT-DL e.V. fand am 16. Mai 2009 im Rahmen eines AMSAT-DL Symposiums statt, welches in den Räumlichkeiten des IUZ in Bochum abgehalten wurde.

v.l.n.r.: Hartmut Päsler DL1YDD (2.Vorsitzender), Peter Gülzow DB2OS (1.Vorsitzender). Achim Vollhardt DH2VA (3.Vorsitzender)

Wie alle 2 Jahre üblich, gab es satzungsgemäße Neuwahlen für den kompletten AMSAT-DL-Vorstand. Einstimmig wiedergewählt wurden: Peter Gülzow DB2OS (1. Vorsitzender), Hartmut Päsler DL1YDD (2. Vorsitzender) und Achim Vollhardt DH2VA (3. Vorsitzender).

 

Im Januar 2009 erreichte uns ein Aufruf der NASA, indem um Unterstützung beim Empfang der „Space Weather“-Daten der beiden STEREO (Solar TErrestrial RElations Observatory)-Raumsonden geworben wurde.

Relative Positionen der RaumsondenSTEREO-A (Ahead) und STEREO-B (Behind) sind zwei identische Raumsonden der US-Raumfahrtbehörde NASA und befinden sich seit Oktober 2006 in einer Umlaufbahn um die Sonne. Sie liefern wichtige wissenschaftliche Daten über die Sonnenaktivität, sowie Wechselwirkungen von Teilchenausbrüchen und Felder der Sonne mit der Magnetosphäre der Erde. Insbesondere werden auch Sonneneruptionen und der Sonnenwind genauer beobachtet. Erstmals sind dreidimensionale Beobachtungen möglich, daher spricht man auch vom Stereoeffekt und gab den beiden Raumsonden den passenden Namen. Nicht zuletzt werden durch Sonneneruptionen auch Radio-Verbindungen beeinträchtigt. Selbst dem 11-jährigen Sonnenzyklus werden verschiedene Phänomene auf der Erde zugeschrieben, so auch ein Einfluss auf unser Klima und möglicherweise auch dem Klimawandel auf der Erde. Die ständige Auswertung der Daten ist also wichtig, um Zusammenhänge mit dem Wetter auf der Erde besser zu verstehen.

SECCHI ImagesAuch deutschen Forschern und Forschungseinrichtungen stehen die Weltraum-Wetterdaten der STEREO-Satelliten zur Verfügung und tatsächlich kann jedermann diese Informationen auch täglich auf der Internet-Seite der NASA abrufen. Die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) ist dabei für die Sammlung und Bereitstellung der Telemetrie- und Wetterdaten verantwortlich.

Die NASA hat aber ein Problem: Um besonders kurzfristig auftretende Sonnenausbrüche genauer beobachten zu können, bräuchte sie einen kontinuierlichen Empfang der Wetterdaten beider STEREO-Raumsonden, möglichst 24 Stunden täglich. Dazu ist sie auf das sogenannte Deep Space Network (DSN) der NASA angewiesen. Das DSN besteht aus drei großen, über den Globus verteilten Empfangsstationen. Das DSN ist aber bereits durch andere interplanetare Missionen sehr stark ausgelastet, so liefern ja z.B. die beiden Mars-Rover täglich immense Mengen an Daten vom Mars. Daher kann das DSN mit seinen 70 Meter und 30 Meter großen Antennen weltweit nur relativ kurze Betriebszeiten für die STEREO-Mission zur Verfügung stellen. Natürlich ist der Betrieb und die Wartung derartiger Anlagen auch nicht ganz billig.

Am 25.03.2009 um 10:38 UTC erreichte das Team der deutschen Raumfahrtorganisation AMSAT-DL einen weiteren Meilenstein auf dem Weg einer eigenen Sonde zum Mars. Die Boden- und Kontrollstation bei der Sternwarte Bochum sendete Funksignale zur Venus. Nach fast 100 Millionen Kilometern zurückgelegter Strecke und rund 5 Minuten Laufzeit, wurden sie als Echo von der Venus-Oberfläche wieder in Bochum empfangen. Damit ist es erstmalig in Deutschland und zumindest in Westeuropa gelungen, Echos anderer Planeten zu empfangen. Zugleich ist dies ist die größte Entfernung, die jemals im Amateurfunk überbrückt wurde, über einhundert Mal weiter als bei EME-Reflexionen (Erde-Mond-Erde).

AMSAT-DL Earth-Venus-Earth EchoBeim Empfang der EVE-Reflexionen wurde FFT-Technik mit einer Integrationsdauer von 5 Minuten angewendet. Bereits nach einer Integrationszeit von 2 Minuten waren die reflektierten Signale deutlich zu sehen. Trotz Schauerwetter konnten die Signale von der Venus ab 10:38 UTC bis zu ihrem Untergang am Abend mit der 20-m-Antenne durchgehend empfangen werden.

Der von der AMSAT-DL selbst entwickelte Hochleistungs-Magnetronsender (5 kW Leistung auf 2.4 GHz) hat damit als eine der letzten wichtigen Schlüsselkomponenten für die geplante P5-A Mars-Mission der AMSAT seine Feuertaufe bestanden. Mit dem Empfang der eigenen Venus-Echos ist die Kommandostation zur Steuerung der Mars-Sonde einsatzfähig, und das AMSAT-Team steht in den Startlöchern, die P5-A Raumsonde zu bauen. Um den konkreten Bau und den Start zu finanzieren, versucht die AMSAT-DL derzeit unter anderem von dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) finanzielle Unterstützung für die nur noch fehlenden rund 20 Mio. EUR zu erhalten.

Die AMSAT-DL möchte u. a. aufzeigen, dass mit ihrem Ansatz kostengünstige interplanetare Raumfahrt machbar wird. 

pdf Presseinformation: Erste deutsche Mars-Mission macht Abstecher zur Venus   

pdf Presse Release: First German Mars Mission makes sidestep to Venus  

pdf Communiqué de presse: La première mission allemande vers Mars franchit une nouvelle étape.

 Dem Open-Source-Prinzip verpflichtet, sollen auch private Spender einen Beitrag zur Mission leisten können und so Teil des Projekts werden. Dazu wurde eigens eine Internetseite eingerichtet, auf der jeder quasi sein „Ticket zum Mars“ buchen kann. Bereits ab 50 Euro gibt es einen Platz an Bord.

http://www.ticket-to-mars.org/

Durch das Open-Source-Prinzip ist es auch jedem gestattet, die Missionsdaten während des Flugs zum Mars live zu empfangen. Dies kann dank der Nutzung von Amateurfunkfrequenzen mit einer eigenen Empfangsanlage ab einem Spiegeldurchmesser von 1 m erfolgen. Auch wird die Mission per Live-Stream direkt über einen Internetserver erfolgen, der direkt an die Bodenstation angebunden sein wird. So können die Live-Daten der Mars-Raumsonde auch für den Unterricht in Schulen und Universitäten genutzt werden. Alle dafür erforderlichen Informationen werden rechtzeitig vor der Mission offengelegt werden.

HR Fernsehen Die Vorbereitungen des AMSAT-DL Teams in Marburg für den EVE-Versuch, der Bau der Hochleistungsendstufe, der Transport nach Bochum, sowie Installation bei der AMSAT P5-A Boden- und Kontrollstation am 20m-Spiegel der Sternwarte Bochum, wurden vom hessischen Fernsehen begleitet.

Der 1. Teil wird am 26.3.2009 um 19:30 in der Hessenschau gesendet.

Die Installation des Senders in Bochum und der erfolgreiche Empfang der Venus-Echos wird im 2. Teil am 27.3.2009 um 19:30 im hessischen Fernsehen gesendet.

http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=3056

Der sensationelle Empfang der Echos von der Venus ist ein großer Meilenstein hin zur ersten deutschen Mars-Mission und unterstreicht die Leistungsfähigkeit der von der AMSAT-DL am 20m-Spiegel der Sternwarte Bochum aufgebauten Boden- und Kontrollstation für die AMSAT P5-A Mars-Mission.

Venus Echos Vom 15. März bis 10. April 2009 kommt die Venus der Erde wieder sehr nahe und die Entfernung wird „nur“ rund 45 Millionen Kilometer betragen.

Rechtzeitig zu diesem planetarischen Ereignis hat die AMSAT-DL nun ihren neu entwickelten 5 kW Hochleistungssender für 2,45 GHz fertiggestellt und auch eine Sondergenehmigung für den Versuchsbetrieb erhalten.

Modulator, Hochspannung und WasserkühlungDer Sender wurde im Zentralen Entwicklungslabor (ZEL) der AMSAT-DL in Marburg gebaut und soll als Kommandosender die Kommunikation mit der Mars-Weltraumsonde P5-A sicherstellen. Hierzu wurde der Sender am 14. März in der P5-A Kontrollstation beim 20m-Spiegel der Bochumer Sternwarte (IUZ) installiert.

Die Leistungsfähigkeit des 20m-Spiegels als Empfangsstation wurde bereits mehrfach unter Beweis gestellt, so wurden u.a. verschiedene Satelliten im Mars-Orbit sicher empfangen und nicht zuletzt auch Voyager 1, dass mit über 14,7 Milliarden Kilometer weit entfernteste von Menschen erschaffene Objekt. Einem Abstand, der beinahe dem 100-fachen der Distanz Erde-Sonne entspricht!

2.45 GHz Dual-Mode-Horn für den 20m Spiegel in BochumAls ersten Bewährungstest der Sendemöglichkeiten der P5-A Kommandostation hat man sich nun ein Experiment mit durchaus wissenschaftlichen Hintergrund ausgedacht. Die AMSAT-DL möchte mit ihrem neu entwickelten Kommandosender die Venus „beleuchten“ und Echos der Signale empfangen, ähnlich wie bei einer Radarfalle auf der Autobahn, nur das hier die Entfernungen und Geschwindigkeiten der bewegten Objekte deutlich größer sind.

29m-Spiegel in BochumSollte das Experiment gelingen, wäre dies wohl das erste Mal, dass in Deutschland Echos von anderen Planeten empfangen werden. Rechnerisch ist die Bochumer Anlage nun leistungsfähig genug, um solche Echos an der Venus zu erzeugen. Trotz allem wird es spannend bleiben, ob den Funk- und Raumfahrtamateuren dieses planetare Experiment gelingen wird.