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Außerordentliche Mitgliederversammlung am 10.10.2009 in Marburg/Lahn.

(oh) In der geschichtsträchtigen Umgebung der Heimat der höchst erfolgreichen P3-Satellitenserie (OSCAR-10,-13) und des P3D (OSCAR-40) findet am kommenden Samstag eine entscheidende Mitgliederversammlung statt, die möglicherweise Auswirkungen auf viele Jahrzehnte Amateurfunksatellitenbau in der Zukunft haben wird.

Durch den Wegfall des Lehrstuhls an der Universität Marburg, der an die Person von Dr. Karl Meinzer gekettet war. und die damit verbundene Schließung des ZEL (Zentrales Entwicklungslabor für Elektronik) wurde die AMSAT-DL vor eine schwierige Aufgabe gestellt.


Im Labor befand sich zu dieser Zeit bereits der neue Amateurfunksatellit P3E in der mechanischen Aufbauphase. Der Verlust des Integrationsraumes hätte den Abbruch aller weiteren Arbeiten und im günstigsten Fall die Einmottung des Satelliten bis zur Einrichtung einer neuen Aufbaustätte bedeutet. Den vorabgesprochenen möglichen weiteren Wirkungsbereich im Bereich der Universität Stuttgart wird man vor 2014 nicht beziehen können.

Aus diesem Grund entschloss sich der Vorstand des Vereines zu einer Anmietung eines verkleinerten Teils des ZEL und Neuadaptierung der Arbeitsumgebung darin. So konnte der Fortgang der Arbeiten am P3E gesichert werden. Den aktuellen Status des Satelliten werden die Teilnehmer der Versammlung persönlich bei einer Führung im ZEL begutachten können.

Die Anmietung des ZEL belastet das Vereinsbudget sehr hart und konnte bisher nur durch Abbau von finanziellen Reserven gedeckt werden. Diese sind in Kürze erschöpft, sodass jetzt ein Weg in die Zukunft gefunden werden muss.

Der jährliche Mitgliedsbeitrag ist seit 18 Jahren nicht an die Teuerungsraten angepaßt worden. Wäre dies jedes Jahr durchgeführt worden, würde der derzeitige Mitgliedsbeitrag rund 93.-€ betragen. Deshalb liegt der Mitgliederversammlung ein Antrag auf Anhebung des Mitgliedbeitrages auf € 90.- vor. (Anmerkung des Redakteurs: Vielleicht würde man mit € 100.- besser fahren und dafür den Betrag wieder längere Zeit gleich belassen.) Mit dieser Beitragshöhe könnte der Betrieb des ZEL weitergehen. Die Finanzierung des P3E und P5A (möglicher Marssatellit) ist aus dem Mitgliederbudget herausgenommen und erfolgt unabhängig von den Mitgliedsbeiträgen.

Der Bau von Amateurfunksatelliten verlangt viel Geld. Früher waren durch die Mitarbeiter der Universität viele Arbeitsstunden, auch in der Dienstzeit durch Studienprojekte abgesichert, geleistet worden. Diese Arbeitsleistung muss jetzt durch freiwillige Mitarbeit am Projekt erbracht werden. Für spezielle Anforderungen muss externe Leistung durch Fachfirmen angekauft werden. Das verteuert den Aufbau noch weiter.

Im letzten Jahrzehnt hat sich der Weltraummarkt total verändert. Früher konnten Amateurfunksatelliten noch als sogenannter notwendiger Ballast kostengünstig mitfliegen. In der Zwischenzeit wurde durch die Standardisierung des CubeSat-Konzepts ein Markt für Mikrosatelliten geschaffen, durch den der verfügbare Platz auf Trägersystemen heiß umkämpft wurde. MikroSats wurden zu einem ernstzunehmenden Geschäft und heute fliegt kein Träger mehr ohne Nutzlast. Dazu kommt, dass unsere HEO's (high earth orbit) einen Transport in wesentlich größere Höhen (ca. 800 km) benötigen, von wo aus dann die eigentliche Flugbahn durch an Bord befindliche Motoren angesteuert werden kann. Dieser Transport kann von den vielen vorhandenen Trägersystemen nicht erreicht werden, sodass die leistungsfähigen Amateurfunksatelliten, wie der zukünftige P3E, nur als Vollzahler bei ganz wenigen leistungsfähigen Trägern, wie der Ariane, fliegen können.

Damit kostet der Flug von P3E derzeit rund  drei Millionen Euro, eine Summe die die Funkamateure nie aufbringen können. Es wird also eine Fremdfinanzierung benötigt, die aber nur gegen eine entsprechende Gegenleistung gegeben werden wird. In der Vergangenheit waren dies, die manchmal angefeindeten, technischen Experimente an Bord der Satelliten, die durch interessierte Firmen oder Universitäten in Form von Studien finanziert wurden und so den Start von OSCAR-10,-13,-40 erst ermöglichten. Viele dieser Studien werden jetzt durch die niedrig fliegenden CubeSats abgedeckt, sodass auch hier die Finanzierungsluft sehr dünn geworden ist.

Die neuen Ambitionen des DLR (Gesellschaft der deutschen Luft- und Raumfahrt), den Mond oder Mars zu erreichen, für die gerade eine Machbarkeitsstudie unter Beteiligung der AMSAT-DL läuft, böte die Gelegenheit, die für diese Flüge erforderliche Kommunikationsstruktur an Bord von P3E zu erproben. Diese Anforderung wurde zu Beginn des P3E-Projekts bereits berücksichtigt und bis heute die dazu erforderliche Flughardware weitestgehend geschaffen. Die Voraussetzungen für eine Finanzierung des Fluges von P3E wurde damit durch den Vorstand der AMSAT-DL fixiert. Es fehlt jetzt noch der Auftrag, der durch den politischen Willen nach Abschluß der Machbarkeitsstudien erteilt werden könnte.

Möge die Übung gelingen.